Arbeitsmarkt - Integration - Mobilität

Kurzportrait

Warum steigt in Deutschland die Arbeitslosigkeit von einer Rezession zur nächsten an? Warum ist Deutschland im "alten" Europa beschäftigungspolitisch bestenfalls noch Durchschnitt? Warum lassen wir große Teile unseres Erwerbspotenzials ungenutzt? Warum sind andere Länder beschäftigungspolitisch erfolgreicher? Und sind sie es wirklich? Lassen die aktuellen Reformen unserer Erwerbsordnung und unserer sozialen Sicherungssysteme beschäftigungspolitische Erfolge erwarten? Passen die einzelnen Reformen zusammen, oder neutralisieren sich ihre Wirkungen wechselseitig?

Trifft es zu, dass der deutsche Arbeitsmarkt immer träger wird? Oder werden Beschäftigungsverhältnisse immer instabiler und kurzlebiger? Für welche Gruppen von Erwerbspersonen und für welche Regionen trifft das eine oder das andere zu? Wie können wir die unvermeidliche Restrukturierung von Unternehmen und Wertschöpfungsketten so gestalten und begleiten, dass Erwerbschancen und Beschäftigungsfähigkeit erhalten und nicht zerstört werden?

Auf Fragen dieser Art will der Schwerpunkt Antworten geben, zugleich aber auch vorschnelle Antworten mit den Tatsachen konfrontieren.

Forschungsansatz

Der Schwerpunkt orientiert sich an einer systemischen Perspektive, die Ansätze zur Identifizierung von nationalen "Wohlfahrtsregimes", "Spielarten des Kapitalismus" und "Beschäftigungssystemen" zu integrieren sucht zu einem Verständnis von Entwicklungspfaden und -optionen von Erwerbssystemen - und speziell des deutschen Erwerbssystems. Ein Erwerbssystem sehen wir charakterisiert einerseits durch seine institutionelle Ordnung in Feldern wie Unternehmensführung und -kooperation, Arbeitsmarktordnung, Arbeitsbeziehungen, Soziale Sicherung, Arbeitslosigkeitsregime, Bildungssystem und Familienmodell, andererseits durch die Zusammensetzung seiner Elemente, d. h. der Struktur seiner Arbeitsplätze und der Qualifikation seiner Bevölkerung im Erwerbsalter.

Unsere Arbeiten gehen von der Hypothese aus, dass die im Vergleich zu vielen anderen entwickelten Gesellschaften unbefriedigende Entwicklung der Erwerbsmöglichkeiten und der Teilhabe an Erwerbsarbeit in Deutschland ihre Ursachen in überwindbaren Entwicklungshemmnissen der deutschen Spielart der "konservativ-kontinentalen" Erwerbsordnung haben. In praktischer Perspektive geht es darum, Orientierungswissen über den Wandel des deutschen Erwerbssystems, seine institutionellen Entwicklungshemmnisse und seine Entwicklungsmöglichkeiten bereit zu stellen und Reformdebatten konzeptionell zu bereichern. Dem Ziel des Verständnisses von Entwicklungsoptionen dient der internationale Vergleich.

Unter dem Gesichtspunkt der Erwerbsintegration und der gesellschaftlichen Nutzung des Erwerbspotenzials werden Themen wie demographischer Wandel und Migration bearbeitet. Veränderungen der Arbeitsmarktordnung und des Arbeitslosigkeitsregimes werden im Hinblick auf ihre Implikationen für das Erwerbssystem insgesamt analysiert.

Unsere Forschungsthemen sind:

  • Dynamik und Stabilität von Beschäftigungsverhältnissen
  • Restrukturierung von Unternehmen und ihre arbeitsmarktpolitische Begleitung
  • Erwerbstätigkeit Älterer und sich verändernde Muster des Übergangs von Erwerbstätigkeit in d Ruhestand
  • Erwerbstätigkeit der Geschlechter im Kontext von Familienmodellen und Bildungssystem
  • MigrantInnen und ethnische Minderheiten im Erwerbssystem
  • Entwicklung der Arbeitsmarktordnung.

Unsere Kernkompetenzen bestehen

  1. in der Sekundäranalyse von Längsschnitt und Paneldaten und der Aufbereitung einschlägiger amtlicher Statistiken
  2. in der Durchführung eigener ergänzender Datenerhebungen
  3. in der Erstellung interregional vergleichender Analysen
  4. in der Analyse von Institutionen im Hinblick auf die Präformierung der Handlungsoptionen von Anbietern und Nachfragern im Erwerbssystem
  5. in der Evaluation und Begleitung der Implementation von Reformvorhaben sowie der Beratung von Entscheidungsträgern bei der Konzeption und Umsetzung.