Flexibilität und Sicherheit

Gegenstand der Forschung

Die Gewichte von Flexibilität und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft werden gegenwärtig neu bestimmt. Wir untersuchen, welche Chancen und Risiken sich hieraus für verschiedene Personengruppen und Arbeitsmarktsegmente ergeben und welche Optionen für eine neue Balance zwischen Flexibilität und Sicherheit bestehen - sowohl auf der betrieblichen Ebene als auch im Beschäftigungssystem insgesamt. Unser besonderes Interesse gilt dabei den so genannten Einfacharbeitsplätzen und gering Qualifizierten, die gemeinhin als Verlierer/innen in der Wissensgesellschaft gelten, gleichzeitig aber in der Debatte, wie mehr Beschäftigung in Deutschland geschaffen werden kann, eine wichtige Rolle spielen.

Die Forschungs- und Gestaltungsprojekte der Abteilung Flexibilität und Sicherheit beziehen sich vor allem auf drei Themenfelder:

  • Betriebliches Personalmanagement und Arbeitsorganisation: Wie verändern sich der Zuschnitt von Tätigkeiten, die Arbeitsbedingungen und die Anforderungen an die Beschäftigten? Welche unterschiedlichen Kombinationen von Flexibilität und Sicherheit lassen sich hier vorfinden und wodurch werden diese beeinflusst?
  • Neuorientierung der Arbeitsmarktpolitik: Wie werden die aktuellen Arbeitsmarktreformen umgesetzt und welche Auswirkungen haben sie für Individuen, Unternehmen sowie den Arbeitsmarkt insgesamt?
  • "Neue" Arbeitsformen: Welche Rolle spielen "neue" Arbeitsformen wie z.B. Minijobs und Zeitarbeit im Rahmen betrieblicher Beschäftigungssysteme und individueller Erwerbsverläufe? Welche Herausforderungen ergeben sich hieraus für die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik?

Forschungs- und Gestaltungsansatz

Der Titel der Abteilung "Flexibilität und Sicherheit" steht einerseits für unsere inhaltlichen Interessen, ist aber andererseits auch programmatisch gemeint. Wir gehen davon aus, dass eine neue Balance erforderlich ist, die die gestiegenen Flexibilitätsinteressen von Unternehmen und Beschäftigten gleichermaßen berücksichtigt, aber auch den Bedarf an Sicherheit auf beiden Seiten nicht außer Acht lässt. Hierbei verstehen wir "Sicherheit" nicht nur im Sinne sozialer Sicherung, sondern in einem breiteren Sinne - auf Seiten der Beschäftigten z.B. auch als Beitrag zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, als finanzielle Absicherung sowie als Planbarkeit von Arbeitszeiten; auf Seiten der Unternehmen z.B. als Verfügbarkeit geeigneter Arbeitskräfte. Wir stellen Einfacharbeitsplätze, Niedriglöhne und gering Qualifizierte in den Mittelpunkt, weil diese in der aktuellen politischen und (wirtschafts-)wissenschaftlichen Debatte eine große Rolle spielen, gleichzeitig aber viele Fragen in diesem Kontext offen sind - z.B. ob mehr Niedriglohnbeschäftigung tatsächlich zusätzliche Beschäftigungschancen für gering Qualifizierte eröffnet.

Auch der betrieblichen Seite wird nach unserer Einschätzung in diesem Kontext zu wenig Beachtung geschenkt: Wie entwickeln und verändern sich solche Arbeitsplätze? Welche Anforderungen stellen Unternehmen an das Personal in diesem Bereich? Wie lassen sich Unterschiede in der betrieblichen Arbeitsorganisation und im Personalmanagement erklären? Welche Rolle spielen hierbei institutionelle Rahmenbedingungen? Diese Fragestellungen sind auch in Bezug auf die Wirksamkeit der aktuellen Arbeitsmarktreformen von besonderem Interesse. Denn deren Erfolg hängt entscheidend davon ab, inwieweit die betriebliche Nachfrage nach Arbeitskräften gesteigert und das Matching zwischen Angebot und Nachfrage verbessert werden kann. In diesem Zusammenhang ist u.a. die Arbeitsmarktintegration von (Langzeit-)Arbeitslosen im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II/Hartz IV) von Bedeutung. Neue Arbeitsformen wie Minijobs, Zeitarbeit und neue Selbständigkeit stehen traditionell im Zentrum der Debatte über Flexibilität und Sicherheit, wobei oftmals vor allem Fragen der sozialen Absicherung der Beschäftigten thematisiert werden. Von besonderem Interesse erscheinen jedoch auch der Stellenwert und die Funktionen solcher Arbeitsformen im Rahmen betrieblicher Beschäftigungssysteme sowie ihre Auswirkungen auf individuelle Erwerbsverläufe und -perspektiven der Beschäftigten.

Kompetenzen

Die Abteilung FLEX verfügt über ausgewiesene Kompetenzen und Erfahrungen in der Evaluation arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, der Analyse und Ausgestaltung verschiedener Formen flexibler Arbeitsverhältnisse sowie in branchenbezogenen Studien insbesondere im Dienstleistungssektor. Eine Besonderheit unserer Vorgehensweise besteht darin, dass wir Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln angehen und dabei Wechselwirkungen mit Entwicklungen in anderen Bereichen sowie den Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen einbeziehen. Hier sehen wir gerade bezogen auf den Themenkomplex Einfacharbeit, Niedriglöhne und gering Qualifizierte erhebliche Forschungslücken, zu deren Schließung wir beitragen wollen. Methodisch werden wir unsere Kompetenzen im Umgang mit quantitativen Daten ausbauen und die international vergleichende Forschung und Kooperation deutlich verstärken. Im Mittelpunkt steht weiterhin die qualitative empirische Sozialforschung - nicht zuletzt, weil der damit einher gehende direkte Kontakt mit Akteuren in Politik und Praxis nach unserer Überzeugung für eine erfolgreiche Verbindung von Forschung, Entwicklung und Erprobung unabdingbar ist.