Pressemitteilung vom 05.09.2019

IAQ organisiert internationales Treffen von Arbeitsmarkt-Experten

Sicherheit im technologischen Wandel?

Ängste vor dem digitalen Strukturwandel scheinen berechtigt, da vor allem gute Arbeitsplätze mit tariflicher Bezahlung abgebaut werden. „Dort, wo die Tarifbindung am geringsten ist, ist die Angst in den Niedriglohnsektor abzurutschen am größten“ stellt der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) anlässlich des diesjährigen Expertentreffens der International Working Party on Labour Market Segmentation (IWPLMS) klar (9. /10.09. in Düsseldorf).

Die 40. Jahrestagung wird vom IAQ zusammen mit dem Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) und dem Netzwerk Arbeitsforschung NRW organisiert. Die internationale Arbeitsgruppe trifft sich seit 1979 alljährlich, um aktuelle Themen der Arbeitsmarktforschung zu bearbeiten. Zu dem renommierten Expertentreffen erwarten die Organisatoren vom IAQ über 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, vor allem aus Europa, aber auch aus Russland, Australien, Nord- und Südamerika.

„Durch die breite und kontinuierliche Beteiligung von Forscherinnen und Forschern aus anderen Ländern geben diese jährlichen Tagungen immer Gelegenheit, über den nationalen Tellerrand zu blicken, gemeinsame Trends und Herausforderungen zu identifizieren und sich über Lösungsansätze im Großen und Kleinen auszutauschen“, so Dr. Karen Jaehrling vom IAQ. Dieses Jahr widmen sich zahlreiche Vorträge den verschiedenen Facetten der Digitalisierung des Arbeitslebens sowie dem Arbeitsmarktzugang für Migrantinnen und Migranten – Herausforderungen, die sich sehr ähnlich in vielen Ländern stellen und derzeit vielfach im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Es gibt aber auch Themen auf der Tagesordnung, die aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit zumindest in Deutschland geraten sind, wie die Spätfolgen der Finanz- und Wirtschaftskrise für die südeuropäischen Länder und für den Zusammenhalt in der Europäischen Union.

Mehrere Redner rücken die Erhöhung der Tarifbindung in den Mittelpunkt: John Hendy von der Anwaltskanzlei Old Square Chambers in London stellt als Sprecher prominenter Arbeitsrechtler das vielbeachtete „Manifesto for labor law“ vor.  Für alle Bereiche sollen danach „Sectoral Employment Committees“ mit Vertretern der Sozialpartner und einem unabhängigen Schlichter eingerichtet werden. Die   vereinbarten Tarife sollen für allgemeinverbindlich erklärt werden. Der Schlichter verhindert ein Verhandlungspatt. Prof. Gerhard Bosch vom IAQ belegt, dass die abnehmende Tarifbindung auch in Deutschland der Mittelschicht die ökonomische Basis entzieht und schlägt vor, den britischen Vorschlag in Branchen mit hohen Anteilen von Geringverdienern umzusetzen.

Weitere Informationen: http://www.iaq.uni-due.de/iwplms2019/