Pressemitteilung vom 04.06.2020

In der Coronakrise

Dual Studierende besser schützen

Dual zu studieren ist nicht immer dasselbe – schon gar nicht in der Coronakrise. Die Mehrzahl der dual Studierenden durchläuft als Praktikant*innen einen Praxisteil in Unternehmen, hat jedoch keinen Ausbildungsvertrag. „Was in normalen Zeiten bereits zu klaren Nachteilen führt, wie z.B. eigene Vergütungsstrukturen oder fehlende Ausbildungsrahmenpläne, spitzt sich in Corona-Zeiten deutlich zu“, befürchtet Dr. Sirikit Krone vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Forscherin warnt vor den Folgen im Falle von Insolvenzen und Betriebsschließungen.

Die Mehrzahl der über 100.000 jungen Menschen, die aktuell ein duales Studium absolvieren, haben sich für die praxisintegrierende Variante entschieden. Das heißt, sie durchlaufen den praktischen Teil ihrer Ausbildung im Unternehmen als Praktikant*innen mit einem individuell ausgehandelten Vertrag ohne Mindeststandards bezüglich der Arbeitsbedingungen, Bezahlung oder Urlaubsansprüche.

Für diejenigen, die ihr duales Studium im ausbildungsintegrierenden Format durchführen, sieht dies ganz anders aus. Sie sichert ein Ausbildungsvertrag für die Praxisanteile ihres Studiums im Betrieb ab. Sie haben damit dieselben Rechte und Pflichten wie jede*r Auszubildende nach den Regeln des Berufsbildungsgesetzes (BBiG).

Die Sicherheit, die sich daraus ergibt, gilt für die praxisintegrierend dual Studierenden nicht. Was passiert, wenn ihr Betrieb aufgrund der Coronakrise in die Insolvenz geht oder endgültig schließen muss? Ist ein Abbruch des gesamten Studiums die unausweichliche Folge?

Rettungsanker, die aktuell von den Partnern der Allianz für Aus- und Weiterbildung (Bundesministerien und Sozialpartner) zur Stabilisierung des Ausbildungsmarktes kommen, greifen für diese dual Studierenden nicht: Sowohl Übernahmeprämien, die an Unternehmen gezahlt werden, die Auszubildende aus Insolvenzbetrieben übernehmen, als auch Unterstützungen für Unternehmen, die motiviert werden sollen, neue Ausbildungsplätze zu schaffen.

Umfragen zu Planungen für das Ausbildungsjahr 2020/21 deuten darauf hin, dass Betriebe unsicher und zurückhaltend beim Ausbildungsplatzangebot sind. Schulabgänger*innen, die sich für ein duales Studium in der praxisintegrierenden Form interessieren, könnten von dieser unsicheren Lage besonders betroffen sein. „Hier ist es notwendig, die Ausbildungssituation der dual Studierenden in allen Formaten ebenfalls unter die Rettungsschirme der Bundesregierung zu stellen“, resümiert Krone.