Pressemitteilung vom 11.11.2020

IAQ zum Niedriglohnsektor in Deutschland

Enorme Spanne zwischen den Ländern

Die Arbeit für wenig Geld ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Zwischen den Bundesländern ist die Spanne der Niedriglöhne extrem groß – von „nur“ 10,7 Prozent Anteil in Hamburg und 15,4 Prozent in Baden-Württemberg bis deutlich über 30 Prozent in den ostdeutschen Ländern mit Thüringen (34,1) an der Spitze. Nordrhein-Westfalen (22,8 Prozent) liegt 1 Prozentpunkt über dem Bundesdurchschnitt von 21,8 Prozent Anteil von Geringverdienern unter allen Beschäftigten. Das zeigen aktuelle Berechnungen aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen).

Stundenlöhne, die unterhalb von zwei Dritteln des mittleren Lohns liegen, gelten als Niedriglöhne. In Deutschland lag die Schwelle im Jahr 2018 auf Basis des SOEP bei 11,21 Euro brutto pro Stunde. Wie Dr. Thorsten Kalina und Dr. Claudia Weinkopf vom IAQ feststellen, ist der Niedriglohnsektor in Deutschland einer der größten in der EU. Noch höhere Anteile von Geringverdiener*innen gibt es nur in Lettland, Rumänien, Litauen, Polen und Estland.
Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland (9,35 € pro Stunde) ist mit 47,3 Prozent des Medians besonders niedrig. Die EU-Kommission strebt an, die Mindestlöhne in der EU bis 2024 auf 60 Prozent des jeweiligen nationalen Medians anzuheben. In Deutschland entspricht dies aktuell etwa 12 Euro brutto pro Stunde.

Einen wichtigen Ansatzpunkt für eine Verringerung des Niedriglohnanteils sieht das IAQ-Team Kalina/Weinkopf in einer deutlichen Stärkung der Tarifbindung.

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