Pressemitteilung vom 02.07.2018

IAQ-Tagung zur Nachqualifizierung von Zugewanderten

Gebildet, zugewandert – ohne Job?

Trotz guter Ausbildung fassen viele hochqualifizierte Zugewanderte auf dem Arbeitsmarkt kaum Fuß. Was können sie tun? Das diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis am 4. Juli an der Universität Duisburg-Essen (UDE) auf Einladung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ). Vorgestellt werden Forschungsergebnisse zu Angebot, Nutzung und Entwicklungsmöglichkeiten der akademischen Nach- und Weiterqualifizierung.

Seit rund 20 Jahren und zuletzt bedingt durch die Fluchtmigration steigt der Anteil an zugewanderten Akademikerinnen und Akademikern stark an. Doch der im Ausland erworbene Hochschulabschluss hilft oft nicht bei der Suche nach einer qualifikationsadäquaten Beschäftigung. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eine große Rolle spielen die Hürden bei der formalen Anerkennung. Potenzielle Arbeitgeber können die ausländischen Abschlüsse schlecht einschätzen, die Migration hat Lebenslauf und Berufspraxis zeitlich unterbrochen, berufliche Netzwerke fehlen und die (Fach-)Sprachkenntnisse reichen nicht aus. 

Das vom Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) geförderte Projekt untersuchte, als wie nützlich Betroffene Nachqualifizierungen einschätzen. Daraus entwickelten die IAQ-Expertinnen und Experten Handlungsempfehlungen für eine bessere Positionierung zugewanderter Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt.

„Unsere bundesweite Recherche hat ergeben, dass es nur wenige auf die Besonderheiten der Zielgruppe zugeschnittene Studienprogramme gibt. Für einzelne Fachrichtungen fehlen Angebote fast völlig, bestehende Angebote sind häufig stark an der Verwertbarkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt orientiert“, fasst IAQ-Direktorin und Projektleiterin Prof. Dr. Ute Klammer zusammen. Projektmitarbeiterin Alexandra Graevskaia filterte aus den Interviews mögliche Ansatzpunkte: „Vor allem die Befristung und Projektform ist problematisch. Als hilfreich benannten die Teilnehmenden dagegen individuelle Beratungen zum Studium, Sprach- und Bewerbungscoachings sowie die Vermittlung von Praktika und beruflichen Kontakten“.

Probleme schafft auch die Finanzierung des Lebensunterhalts während der akademischen Nach- und Weiterqualifizierung hochqualifizierter Zugewanderter. Prof. Dr. Matthias Knuth erläutert: „Bis heute gibt es keine einheitlich geregelten, flächendeckenden Finanzierungsmöglichkeiten für zugewanderte Akademiker und Akademikerinnen, die sich noch einmal an Hochschulen weiterqualifizieren wollen. Hier müssen Lösungsansätze entwickelt werden!“

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/aktuell/veranstaltung/2018/nachquali/20180704.php