Buchinfo



Bosch, Gerhard / Heinecker, Paula / Kistler, Ernst / Wagner, Alexandra, 2003: Aktueller und künftiger Fachkräftemangel und Fachkräftebedarf: eine Analyse für die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin. Berlin: BBJ-Verl. Arbeitsmarktpolitische Schriftenreihe der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Bd. 57 - Arbeitsmarktpolitik. ISBN 3-937033-03-3

Einführung und Hintergrund

Temporäre Arbeitsmarktungleichgewichte sind in dynamischen Marktwirtschaften etwas völlig Normales und Ausdruck von Dynamik und Innovation. Anhaltende Ungleichgewichte hingegen stellen Probleme dar: Angebotsüberhänge, die über eine normale friktionelle Sucharbeitslosigkeit hinausgehen, stellen eine volkswirtschaftliche Verschwendung (Unternutzung des Produktionsfaktors Arbeit) dar und verursachen ökonomische und soziale Kosten und Probleme. Nachfrageüberhänge mit übermäßig vielen oder lange vakanten offenen Stellen sind ebenfalls als Verschwendung von Ressourcen (Produktionsfaktor Kapital) anzusehen. Sie bedeuten die Nichtrealisierung von Wachstumspotenzialen und sind eventuell auch mit Problemen im Wettbewerb verbunden.
Derartige Ungleichgewichte können gesamtwirtschaftlich auftreten (vgl. z.B. die große Welle der Einwerbung ausländischer Arbeitskräfte in den 60er Jahren bzw. die seit Mitte der 70er Jahre sich stufenweise aufbauende Massenarbeitslosigkeit), sie treten jedoch - obwohl die Mobilität des Faktors Arbeit und die Dynamik des Arbeitsmarktes größer ist als in den politischen Debatten gemeinhin unterstellt wird - häufiger als regionale, qualifikationsbezogene usw. "Mismatches" auf. Wenn sie wichtige Branchen oder Berufe betreffen, können partielle Ungleichgewichte durchaus auch volkswirtschaftlich relevant sein. Die Engpässe z.B. bei Berufsschullehrern oder Pflegekräften zeigen, dass es dabei entgegen verbreiteten Annahmen keinesfalls nur um Informatiker oder Biochemiker geht. Diese Beispiele zeigen, dass die Frage der Artikulationsfähigkeit (und Durchsetzungskraft) von Bedarfen unter Umständen entscheidend dafür ist, ob entsprechende Ungleichgewichte in der öffentlichen und politischen Diskussion wahrgenommen werden