Die Weichen sind gestellt - doch der Streckenausbau ist noch nicht abgeschlossen
Soziale Differenzierung im Altersübergang als Ergebnis bisheriger arbeitsmarkt-
und rentenpolitischer Reformen
Martin Brussig / Matthias Knuth / Sascha Wojtkowski
Auf einen Blick...
- Zwischen 2001 und 2006 verzeichnete Deutschland innerhalb der Europäischen
Union den höchsten Zuwachs der Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen
und hat gute Chancen, bis zum Jahr 2010 das Ziel einer Alterserwerbsbeteiligung
von 50 Prozent zu erreichen. Einen erheblichen Beitrag zum Anstieg der Alterserwerbsbeteiligung
leistet eine günstige demographische Konstellation. Hauptursache ist
jedoch, dass Männer länger und Frauen zu höheren Anteilen als
früher erwerbstätig sind.
- Seit 1997 steigen die Altersgrenzen für den abschlagsfreien Rentenbeginn.
Auch in Reaktion auf die Abschläge, die bei vorzeitigem Rentenbeginn
fällig werden, ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter in sechs
Jahren um ein Jahr auf 63,2 Jahre gestiegen (2006).
- Da die Frühverrentung bei Arbeitslosigkeit mit Abschlägen belegt
wurde, hat sich in den letzten ca. fünf Jahren Arbeitslosigkeit im Alter
ab 60 Jahren überhaupt erst herausgebildet. Sie wird durch die Statistiken
der Bundesagentur für Arbeit nicht vollständig dargestellt. Bezogen
beispielsweise 2001 weniger als 2 Prozent der 62-Jährigen Leistungen
wegen Arbeitslosigkeit, so waren es 2006 mehr als dreimal so viel (knapp 7
Prozent).
- Arbeitslosigkeit im Alter bleibt ein starker Treiber in die Frühverrentung.
Mehr als jede/r Fünfte, der oder die in den drei Jahren vor Rentenbeginn
arbeitslos, nur geringfügig beschäftigt oder dauerhaft krank war,
ging 2005 mit 60 Jahren und maximalen Abschlägen in Rente.
- Wenn es nicht gelingt, Erwerbschancen auch jenseits des 60. Lebensjahres
für alle zu gewährleisten, ist eine weiter wachsende Differenzierung
in den Chancen auf einen direkten und selbst bestimmten Übergang in eine
auskömmliche Rente zu erwarten.


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