Das deutsche Sozialmodell in der Krise

Die Entwicklung vom inklusiven zum exklusiven Bismarck'schen Sozialstaat

Gerhard Bosch

Zusammenfassung

    In den letzten 20 Jahren ist das deutsche Sozialsystem in hohem Tempo umgebaut worden. Fortschritt und Sozialabbau lagen eng beieinander. Insgesamt ist das Sozialmodell durch den wachsenden Niedriglohnsektor exklusiver geworden, nicht zuletzt weil im Bismarck'schen deutschen Sozialsystem viele Leistungen an den vorherigen Verdienst anknüpfen.

    Die Integration der ostdeutschen Bevölkerung in das westdeutsche Sozialsystem, die Einführung der Pflegeversicherung und des Gesundheitsfonds in der Krankenversicherung waren beachtliche sozialpolitische Reformleistungen. Weitreichende Auswirkungen auf das Sozialsystem hatten aber auch die Erosion des deutschen Tarifsystems und die Deregulierung des Arbeitsmarktes durch die Hartz-Gesetze. Die Absenkung des Rentenniveaus wird infolge der raschen Expansion des Niedriglohnsektors zu wachsender Altersarmut führen. Trotz wachsender Frauenerwerbstätigkeit kommt die Reform des deutschen Familienmodells nur mühsam voran, da das alte Alleinernährermodell noch massiv subventioniert wird.

    Notwendig ist ein Pfadwechsel zu einem inklusiven Bismarck'schen Sozialstaat mit hoher Tarifbindung, besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mehr Bildungsinvestitionen.