Formelle und informelle Formen von Abrufarbeit in
Deutschland.
Eine Bestandsaufnahme zu Verbreitung und Prekaritätsrisiken

Karen Jaehrling und Thorsten Kalina

Zusammenfassung

    Abrufarbeit hat in mehreren europäischen Ländern an Bedeutung gewonnen. Dieser Forschungsbericht zielt auf eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Erscheinungsformen von Abrufarbeit in Deutschland. Er zeigt, dass die verschiedenen formellen Varianten von Abrufarbeit hier im internationalen Vergleich vergleichsweise stark reguliert sind; daneben aber weitere informelle Varianten genutzt werden, die von dieser Re-Regulierung nicht erfasst werden. Differenzierte Auswertungen auf Basis des SOEP zeigen, dass sowohl formelle als auch informelle Varianten in hohem Maße mit Niedriglöhnen, kurzer Teilzeit und entsprechend mit erheblichen Armutsrisiken einhergehen. Dies unterstreicht, dass sich die gegenwärtige Debatte zur Erosion des Arbeitnehmerstatus nicht zu eng auf die Solo-Selbstständigen in der ‚Gig-economy‘ (Deliveroo, Uber) beschränken sollte, sondern auch die Entwicklung im Bereich der abhängigen Beschäftigung im Blick behalten muss.