Ausgepowert, ausgebremst oder ausgeglichen?

Lebensphasenorientiertes Personalmanagement als Schlüssel für eine nachhaltige Fachkräftesicherung in High-Tech-Bereichen

Anja Gerlmaier & Erich Latniak

Auf den Punkt ...

  • Die Erhöhung der personellen Vielfalt gilt für viele Unternehmen als wegweisende Strategie, um einem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. In High-Tech-Bereichen wie der Technikentwicklung treffen diese Bemühungen aber häufig auf ausgeprägte Hochleistungskulturen, die für die spezifischen Bedürfnisse und Leistungsvoraussetzungen neuer Beschäftigtengruppen kaum Spielraum lassen.

  • Im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsprojekts pinowa wurde untersucht, inwieweit wegen mangelnder Lebensphasenorientierung wertvolle Arbeitskraftpotenziale hochqualifizierter Beschäftigter unzureichend erschlossen oder überbeansprucht werden, was zu gesundheitlichen Folgeschäden bei diesen Beschäftigten führen kann.

  • Solche beanspruchungskritischen Episoden sind u.a. Phasen erster Verantwortungsübernahme oder Phasen des Zusammenfallens von Karriereschritten und Familiengründung. Auch Beschäftigte mit knappem Spezial-Knowhow oder mit gesundheitlichen und familiären Krisen sind häufig in beanspruchungskritischen Lebensepisoden.

  • Dagegen konnten keine erhöhten Beanspruchungswerte gefunden werden für die in vielen Unternehmen unterstützten Episoden beim Berufseinstieg, in der Familiengründungsphase und vor dem Renteneintritt.

  • Die Befunde deuten darauf hin, dass Unternehmen teilweise heute schon lebensphasensensibel agieren. Diese Orientierung geht jedoch offenbar eher mit einer Belastungsverschiebung anstelle einer vorausschauenden Beschäftigungspolitik und Arbeitsgestaltung einher.