Prekäre Arbeit und sozialer Dialog

Vier Fallstudien zu neuen Lösungsansätzen

 

Karen Jaehrling

Auf den Punkt ...

  • Das deutsche ‚Beschäftigungswunder‘ ist mit einer Zunahme von Prekaritätsrisiken einhergegangen. Atypisch Beschäftigte sind davon zwar stärker betroffen, die Arbeitsstandards für Normalarbeitnehmer/innen sind jedoch ebenfalls unter Druck geraten.

  • Es ist umstritten, ob Akteure und Prozess des sozialen Dialogs eher zur Entstehung und Stabilisierung der Arbeitsmarktspaltung beitragen oder ihr entgegenwirken. Ausgewählte Fallstudien dokumentieren die Schwierigkeiten, die sich dabei stellen, selbst wenn es nur um die Durchsetzung von Mindeststandards geht. Sie illustrieren zugleich, dass eine Verringerung der Arbeitsmarktspaltung möglich ist, und zwar gerade dort, wo Ressourcen und Verfahren des sozialen Dialogs noch vergleichsweise gut erhalten sind.

  • Weiterhin bedarf es jedoch eines stärkeren ‚Schattens der Hierarchie‘ bzw. auch direkter gesetzlicher Eingriffe, um inklusivere Unternehmensstrategien zu ‚fordern und fördern‘. Der gesetzliche Rahmen bietet bislang unzureichenden Schutz für neue und alte Gefährdungslagen.

  • Die Orientierung der Gesetzgebung am Gleichstellungsprinzip (equal pay/equal treatment) greift außerdem zu kurz, wenn es sich faktisch auf Mindeststandards beschränkt und zudem die spezifischen Risiken atypischer Beschäftigung nicht berücksichtigt. Zudem erfordert die wirksame Durchsetzung von Gleichstellung, dass die Nutzung atypischer Beschäftigung in einem überschaubaren und kontrollierbaren Rahmen gehalten wird.