Projektinfo

Programmbegleitende Evaluation "Perspektive 50plus". Zweite Förderphase (P50plus)

Ziel und Aufgabenstellung

Das von der Bundesregierung zur Verbesserung der Beschäftigungschancen von älteren Langzeitarbeitslosen als Bestandteil der "Initiative 50plus" im September 2005 aufgelegte und bis Ende 2007 von 62 regionalen Beschäftigungspakten umgesetzte Modellprogramm "Perspektive 50plus - Beschäftigungspakte in den Regionen" wird bis Ende 2010 fortgeführt. Für die zweite Programmphase stehen den Pakten rund 275 Mio. Euro an Bundesmitteln zur Verfügung, die aus anderen Förderquellen, wie dem Eingliederungstitel der an der Umsetzung beteiligten Grundsicherungsträger, aus Landesprogrammen oder dem Europäischen Sozialfonds ergänzt werden sollen. Teilnahmeberechtigt sind die bisher an den geförderten Beschäftigungspakten beteiligten 93 Grundsicherungsträger. Durch die Einbeziehung weiterer 101 Grundsicherungsträger als Partner der bisher beteiligten Träger wird das Einzugsgebiet und Teilnehmerpotenzial erweitert und damit ein Wissenstransfer forciert, der den Übergang vom Modellprogramm zur Regelförderung vorbereiten soll. Zu diesem Zweck sollen die in der ersten Programmphase erfolgreich erprobten Integrationsansätze fortgesetzt und fachlich weiter entwickelt werden unter Nutzung vorhandender regionaler Potenziale.

Die vorrangige arbeitsmarktpolitische Zielsetzung des Bundesprogramms besteht wie in der ersten Phase darin, ältere Arbeitsuchende im Rechtskreis des SGB II in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Gleichrangige Zielsetzung für die zweite Programmphase ist eine möglichst nachhaltige Verringerung der Hilfebedürftigkeit. Eine wesentliche Innovation gegenüber der ersten Phase besteht darin, dass die Beschäftigungspakte zwischen zwei alternativen Finanzierungsmodellen wählen können, die an Ergebnisindikatoren der Aktivierung bzw. Integration des jeweils vorausgegangen Programmjahrs gekoppelt sind.

Im Zentrum der vom 1. Januar 2008 bis 30. Juni 2011 durchzuführenden programmbegleitenden Evaluation der zweiten Phase steht die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Paktkonzept und Integrationserfolg. Als "Konzept" betrachten wir die von den regionalen Akteuren bewusst und intentional gewählten und gestalteten Elemente der Programmumsetzung. Dazu gehören:

  • Die Partnerwahl bei der regionalen Erweiterung - und zwar sowohl was die strukturellen Gegebenheiten der Partnerregion als auch ihre geographische Lage relativ zum "Altpakt" angeht
  • Der Prozess der Partnerfindung und der Grad der Gemeinsamkeit bei der Konzeptentwicklung
  • Die Wahl des Finanzierungsmodells und seine möglichen Auswirkungen auf die strategische Orientierung
  • Die Wahl der zu beteiligenden Dienstleister
  • Die Strukturen der Steuerung einschließlich der Grad der Externalisierung von Steuerungsverantwortung an Dienstleister
  • Die Auswahl von Instrumenten und Programm-Modulen und die damit implizierte Präferenz für bestimmte Integrationswege
  • Die expliziten Regelungen zur Teilnehmerauswahl, zur Zuweisung der Teilnehmenden auf bestimmte Module und ggf. zur weiteren Differenzierung des ihnen zuteil werdenden Treatments. Auf der Teilnehmerebene wird zudem untersucht, ob und inwieweit die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbsaufnahme von individuellen sozio-ökonomischen und erwerbsbiographischen Strukturmerkmalen abhängt

Da bei der Umsetzung des SGB II die Gleichstellung von Männern und Frauen als durchgängiges Prinzip zu verfolgen ist (§ 1 Abs. 1 Satz 3 SGB II), wird die Evaluation in allen Dimensionen die geschlechtsspezifischen Betroffenheiten und Problemlagen berücksichtigen und im Hinblick auf eine mögliche Überführung in die Regelförderung insbesondere der Frage nachgehen, wie die unzureichende Aktivierung und Integration älterer Frauen in der ersten Phase gesteigert werden kann.

Zur Bewertung der Wirksamkeit der Paktkonzepte werden des weiteren die Nachhaltigkeit der realisierten Integrationen sowie die Effektivität und Effizienz der Pakte überprüft.

Vorgehen

  • Erarbeitung eines Bewertungsrahmens und Klassifizierung der Paktkonzepte anhand von Dokumentenanalysen
  • Auswahl von 31 Beschäftigungspakten für vertiefte qualitative Analysen (Fallstudien) auf der Basis der Ergebnisse aus der Dokumentenanalyse sowie der ersten Trägerbefragung (s. u.)
  • Durchführung und Auswertung der Fallstudien bzw. der Leitfaden gestützten Interviews mit strategischen und operativen Akteuren aus den ausgewählten 31 Pakten
  • Standardisierte Befragung der beteiligten Grundsicherungsträger bzw. Paktkoordinatoren in zwei Wellen (Trägerbefragung)
  • Teilnehmerstrukturanalyse in drei Wellen auf der Basis der BA-Geschäftsdaten und der bei den beteiligten Grundsicherungsträgern zusätzlich erhobenen Daten
  • Standardisierte Teilnehmerbefragung in zwei Wellen
  • Bewertung der Nachhaltigkeit auf der Basis der von den Grundsicherungsträgern erfassten Daten zum Teilnehmerverbleib sowie der BA-Beschäftigten- und Leistungsempfängerstatistik
  • Bewertung der Effektivität der Pakte anhand von Outcome-Indikatoren
  • Fiskalische Effizienzanalyse auf individueller Ebene gemessen anhand des Mitteleinsatzes einer Integration in Relation zu den fiskalischen Einsparungen
  • Schätzung von Nettowirkungen auf der Grundlage von Individualdaten im Vergleich zu Nichtteilnehmer/-innen (Kontrollgruppenanalyse)
  • Gesamtwirtschaftliche Bewertung der Programmeffizienz anhand statistischer Schätzverfahren

Kooperationspartner ist das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e.V. Tübingen (IAW), PD Dr. Bernhard Boockmann

Projektdaten Laufzeit des Projektes
01.01.2008 - 30.09.2012
Forschungsabteilung:
Arbeitsmarkt - Integration - Mobilität - AIM Zur Seite des Forschungsschwerpunkts
Projektleitung:
Prof. Dr. Matthias Knuth
Bearbeitung:
Renate Büttner, Tim Stegmann, Oliver Schweer, Lina Zink
Finanzierung:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Publikationen zum Projekt

Büttner, Renate / Knuth, Matthias / Schweer, Oliver / Stegmann, Tim / Boockmann, Bernhard / Dann, Sabine / Kirchmann, Andrea / Rosemann, Martin, 2010: Evaluation der zweiten Phase des Bundesprogramms „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen" (2008 – 2010). Zweiter Zwischenbericht. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation

Büttner, Renate / Knuth, Matthias / Schweer, Oliver / Stegmann, Tim, 2009: Der Beitrag des Bundesprogramms Perspektive 50plus zur Verbesserung der Situation älterer Langzeitarbeitsloser. In: Behling, Michael / Huber, Andreas / Staudinger, Thomas (Hrsg.): Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt von morgen: Herausforderungen erkennen, Chancen nutzen. Augsburg: AIP, Augsburg Integration Plus, S. 32-46

Download Stegmann, Tim, 2009: Analyzing an active labor market program in Germany: a regional approach. An attempt to use propensity score matching for the estimation of causal effects on the level of counties and independent cities. In: Journal of MultiDisciplinary Evaluation 6, No. 11, pp. 57-70

Info Büttner, Renate / Knuth, Matthias / Schweer, Oliver / Stegmann, Tim, 2008: Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt auch mit 50plus. Ausgewählte Ergebnisse aus der Evaluation des Bundesprogramms "Perspektive 50plus" für ältere Langzeitarbeitslose. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report, Nr. 2008-03

Knuth, Matthias, 2008: Erste Erfahrungen mit der Nachhaltigkeit bei Perspektive 50plus aus der Sicht der Programmevaluation. In: Ant, Marc / Hammer, Andreas / Löwenbein, Oded (Hrsg.): Nachhaltiger Mehrwert von Evaluation. Bielefeld: Bertelsmann, S. 179-192

Vorträge zum Projekt

Link  Oliver Schweer: Evaluation der zweiten Phase des Bundesprogramms „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“ - Stand Zwischenbericht 2011 1. Jahrestreffen der dritten Programmphase, Berlin, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Urania Berlin, 14.09.2011

pdf Prof. Dr. Matthias Knuth: Gesundheitsförderung und Arbeitsmarktpolitik – können sie zusammenfinden? Gemeinsamer Gesundheitstag der JobOffensive 50plus, Schwelm, 20.07.2011

Oliver Schweer: Evaluation des Bundesprogramms "Perspektive 50plus" CEDEFOP: Older workers in companies and on the labour market, Düsseldorf, Arbeit und Leben DGB/VHS NW e.V., Duisburg (16.03.2011), 16.03.2011

Link  Tim Stegmann: Können erkennen, persönlich betreuen, Selbsthilfe fördern. Perspektive 50plus Jahrestreffen 2010, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin, Ludwig-Erhard-Haus, 09.06.2010

Link Prof. Dr. Matthias Knuth: Ergebnisse der Bundesevaluation zum Programm "Perspektive 50plus" Perspektive 50plus - 3. Jahrestreffen der zweiten Programmphase, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin, Ludwig-Erhard-Haus, 08.06.2010

Prof. Dr. Matthias Knuth: Arbeitsmarktpolitik für ältere Arbeitslose - Erfahrungen aus Beschäftigungsprogrammen und Anforderungen an Träger. Trends in der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, AWO-Bundesakademie, Humboldtstein, 18.03.2009