Migration und Polizei – Auswirkungen der Zuwanderung auf die Organisation und Diversität der deutschen Polizei. Teilprojekt: Personalpolitik und Diversity Management in der Polizei (MIGRATE-DIMPOL)

Hintergrund

Migration ist in der Bundesrepublik Deutschland kein neues Phänomen, sondern stets ein wichtiger Treiber für gesellschaftlichen und institutionellen Wandel gewesen. Die Polizei hat in der Vergangenheit auf vielfältige Art und Weise darauf reagiert. Im Mittelpunkt standen Bemühungen, Polizeibeamt_innen interkulturelle Kompetenz zu vermitteln und die Diversität der Belegschaft zu erhöhen, indem Beamt_innen mit Migrationshintergrund rekrutiert wurden. Darüber hinaus wurden Organisationsstrukturen und -prozesse angepasst, beispielsweise durch die Einrichtung von Kompetenzzentren für interkulturelle Aufgaben oder die Berücksichtigung interkultureller Aspekte bei der Präventionsarbeit. Eine systematische Bestandsaufnahme und gezielte Weiterentwicklung des damit verbundenen institutionellen Wandels hat allerdings kaum stattgefunden.
Vor diesem Hintergrund erforscht MIGRATE, wie sich die deutsche Polizei in Reaktion auf Einwanderung verändert hat und weiterhin verändern wird. In empirischen Studien soll untersucht werden, ob und wie eine interkulturelle Öffnung der Polizei stattfindet, auf welche Art und Weise die Partizipation von Migrant_innen erfolgt und welche organisationalen sowie integrativen Effekte dies hat.
MIGRATE ist ein Verbundprojekt, das unter der Leitung  der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, der Akademie der Polizei Hamburg und vier Landespolizeien realisiert wird. An der DHPol werden die Themen Organisationsgestaltung der Polizei und Polizei-Bürger-Beziehungen (OrgPol) in zwei Teilprojekten bearbeitet, während die Akademie der Polizei Hamburg sich dem Thema Interkulturalität und Organisationskultur der Polizei (KultPol) widmet.

Am IAQ wird das Thema Personalpolitik und Diversity Management in der Polizei (DiMPol) untersucht.

Teilprojekt Personalpolitik und Diversity Management in der Polizei

1.9.2018 bis 28.2.2021

Das Teilprojekt Personalpolitik und Diversity Management in der Polizei untersucht, ob sich in der Polizei ein Diversity-Management, also ein systematischer personalpolitischer Umgang mit migrationsbedingter Vielfalt, finden lässt. Neben dem Migrationshintergrund sollen weitere Dimensionen von Vielfalt (z.B. Geschlecht, Alter, Religion) und deren Verschränkungen (Intersektionalität) berücksichtigt werden. Dabei werden sowohl Programme als auch Praxis des Diversity-Managements der Polizei auf verschiedenen Hierarchieebenen analysiert. Dadurch soll verstanden werden, inwiefern die Personalverantwortlichen in der Polizei die (potenziell) zunehmende Vielfalt unter den Polizeibeamt_innen als Chance begreifen oder sie auch als Bürde ansehen. Wo liegen diversitätsbedingte Herausforderungen in der Personalarbeit und unter welchen Bedingungen nutzen Personalverantwortliche Ideen des Diversity-Managements für die speziellen Herausforderungen der Polizeiarbeit. Neben der Zusammensetzung des Personals finden insbesondere auch die Weiterbildung aller Polizeibeamt_innen und die implizite Anpassung des Personalmanagements an Diversity-Belange Berücksichtigung.

Zur Rekonstruktion des Diversity-Managements wird die Personalpolitik in zwei ausgewählten Landespolizeien und Dienststellen untersucht. Dabei sollen v.a. die Rekrutierung zu den Dienststellen, die Weiterbildung, Beförderung, und der Personaleinsatz analysiert werden. Dazu werden zunächst Interviews in Landesministerien bzw. übergeordneten Dienststellen geführt und entsprechende Dokumente analysiert. Anschließend sollen bei zwei Landespolizeien Organisationsfallstudien an jeweils zwei Dienststellen durchgeführt werden. Dadurch werden Vergleiche von Polizeibehörden unterschiedlichen Typs in ihren jeweiligen räumlichen Kontexten ermöglicht.

Darüber hinaus sind im Rahmen dieses Teilprojekts zwei Dissertationen geplant. 

 



Vorträge

17.07.2019
Alexandra Graevskaia: Das Dispositiv ‚interkultureller Kompetenz‘ in der Polizei. Forschungskonzept und erste Analyseergebnisse.
2. DeZIM-Nachwuchstagung – Nachwuchskonferenz der Integrations- und Migrationsforschung, 17.–19. Juli 2019, Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg.
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05.07.2019
Alexandra Graevskaia, Benedikt Müller, Prof. Dr. Martin Brussig: Diversity Management in der Personalarbeit der deutschen Polizei. Posterpräsentation.
Jahrestagung des Arbeitskreises Empirische Polizeiforschung XXIII – "Polizei und Migration", 4–6. Juli 2019, Wien.
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