Bedarfsorientierte Kinderbetreuung - Gestaltungsaufgaben für die Kinder- und Jugendpolitik (BeKi)
Ziel und Aufgabenstellung
Die Anforderungen an die institutionelle Kinderbetreuung befinden sich in einem
Veränderungsprozess. Die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern nimmt
weiter zu, was sowohl den subjektiven Wünschen vieler Frauen als auch dem
zu erwartenden Bedarf der Volkswirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften
entspricht. Dabei ist zu beobachten, dass sich die Arbeitszeiten immer stärker
ausdifferenzieren. Entsprechend unterschiedlich sind die benötigten Betreuungszeiten.
Als Rahmenbedingung für die Entwicklung der Betreuungsinfrastruktur ist
darüber hinaus eine gesellschaftliche Veränderung zu berücksichtigen,
die im Hinblick auf die Kinder einen erhöhten Bedarf an individueller Förderung
mit sich bringt. Die Erosion familiärer Strukturen führt dazu, dass
Betreuungseinrichtungen verstärkt eine kompensatorische Funktion übernehmen
müssen. Gleichzeitig wird der (offiziell zwar schon seit langem bestehende)
Bildungsauftrag der institutionellen Betreuung - nicht zuletzt im Zuge der Debatten
um die PISA-Studie - stärker betont.
Eine einfache Forderung nach mehr Ganztagsbetreuung für alle würde
an den differenzierten Bedarfen vorbeigehen. Unterschiede im Bedarf beziehen
sich sowohl auf die gewünschten Betreuungszeiten als auch auf die inhaltliche
Ausgestaltung der Angebote. Insofern kommen auf die Kinder- und Jugendpolitik
Gestaltungsaufgaben zu. Vor diesem Hintergrund zielt das hier skizzierte Projekt
darauf ab, Maßnahmevorschläge für eine Verbesserung der Bedarfsorientierung
in der institutionellen Kinderbetreuung zu entwickeln. Dabei sollen zwei Themenfelder
im Mittelpunkt stehen:
die Anforderungen, die sich aus der Ausdifferenzierung von Arbeitszeiten
an eine zeitliche Flexibilisierung von Kinderbetreuungsangeboten ergeben;
Angebotsformen für die Schulkinderbetreuung, weil hier zurzeit eine
Weiterentwicklung zu beobachten ist, die im Rahmen kommunaler Strategien unter
dem Gesichtspunkt der Bedarfsorientierung gestaltbar ist.
Vorgehen
Das Projekt will also Materialien für die Kinder- und Jugendpolitik liefern
und dazu
auf der empirischen Ebene die Informationsbasis verbessern
über die Arbeitszeitstrukturen von Frauen mit Kindern, um die unterschiedlichen
Betreuungsbedarfe besser einschätzen zu können
über Modelle der Schulkinderbetreuung und über kommunale Handlungsmöglichkeiten
zur Verknüpfung von Modellen zu einem bedarfsgerechten Angebot
auf der gestaltungsorientierten Ebene Vorschläge entwickeln
über Regelungsmöglichkeiten für zeitlich flexible Angebote
über Strategien für die Schaffung einer bedarfsorientierten Schulkinderbetreuung.
Dazu sind fünf Arbeitspakete geplant:
Literaturauswertung
Empirische Analyse von Ist-Situation und Betreuungsbedarf
Sonderauswertung von vorhandenen empirischen Daten zu Frauenerwerbstätigkeit
und Kinderbetreuung (insbesondere Sozioökonomisches Panel)
Befragung von Frauen mit Hilfe von Telefoninterviews, um einen detaillierten
Einblick in die Betreuungssituation und den Betreuungsbedarf zu gewinnen
Erhebung und Bewertung von Möglichkeiten für eine flexible Angebotsgestaltung
Übersicht über rechtliche Rahmenbedingungen in den Bundesländern
Erhebung von interessanten Modellen für eine flexible Angebotsgestaltung
Erhebung und Bewertung von Modellen und Strategien für eine bedarfsorientierte
Schulkinderbetreuung
Übersicht über verschiedene Modelle der Schulkinderbetreuung
in den Bundesländern
Untersuchung kommunaler Strategien zur Organisation einer bedarfsorientierten
Infrastruktur
Gesamtauswertung: Entwicklung von Vorschlägen für eine bedarfsorientierte
Angebotsgestaltung
Das Projekt wird von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.