Evaluation der Maßnahmen zur Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission (EGZ)

Ziel und Aufgabenstellung

Das Institut Arbeit und Technik (IAT) untersuchte im Forschungsverbund mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Rahmen der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gegebenen Evaluation der Maßnahmen zur Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission die Wirksamkeit der arbeitsmarktpolitischen Instrumente Eingliederungszuschuss (EGZ), Entgeltsicherung für ältere Arbeitnehmer (Egs) und Beitragsbonus (Übernahme der Beiträge zur Arbeitsförderung bei Beschäftigung älterer Arbeitnehmer).

Das IAT war verantwortlich in diesem Verbund für die Implementationsanalyse der Instrumente. Die Implemantationsanalyse basierte auf einem regionalisierten Ansatz: In zehn Agenturbezirken der Bundesagentur für Arbeit wurde die Umsetzung, Nutzung, Wahrnehmung und Einschätzung der Instrumente bei Arbeitsagenturen, Arbeitsgemeinschaften (ARGE) nach § 44 SGB II, bei Arbeitgeber/innen, die EGZ in Anspruch nehmen, sowie - kontrastierend - bei Arbeitgeber/innen, die Angehörige der Zielgruppen ohne eine solche Förderung eingestellt haben, und schließlich bei älteren Arbeitnehmern mit Entgeltsicherung erhoben. Zusätzlich wurden in je einer Telefonbefragung einerseits Arbeitgeber/innen befragt, die das Förderinstrument "Beitragsbonus" in Anspruch genommen haben und andererseits Erfahrung mit Eingliederungszuschüssen hatten. Fallstudien bei Arbeitsagenturen fanden im Projektverlauf zweimal im Abstand von ca. einem Jahr statt, um Veränderungen im Zeitverlauf und insbesondere Veränderungen durch das Hinzukommen der ARGEn als Akteure abzubilden.

Die Implementationsanalyse gibt Aufschluss darüber, wie die Instrumente umgesetzt werden und wie der Zugang verschiedener Teilnehmergruppen sowie die Wirkung der Instrumente durch die Art und Weise der Umsetzung beeinflusst werden. Hierbei geht es auch um die Frage, auf wessen Initiative (Arbeitsagentur, Arbeitgeber oder Arbeitsuchende) Förderfälle zu Stande kommen und welchen Einfluss die Verhandlungskonstellation auf die Auswahl der Teilnehmer/innen und die Gestaltung von Förderungshöhe und -dauer hat. Die Motive und Handlungsrationalitäten der Akteure bei der Umsetzung sollen erhellt werden, wovon u. a. Beiträge zur Erklärung der Förder und Beschäftigungsstrukturen erwartet werden.

Vorgehen

Die Akteur/innen (Beschäftigte der Agenturen und Arbeitsgemeinschaften, Arbeitgeber/innen, geförderte Beschäftigte) wurden in Leitfaden gestützten offenen Interviews zu ihrer Einschätzung der Effektivität und zur praktischen Handhabbarkeit der Instrumente sowie zu ihren Vorstellungen bezüglich Verbesserungsmöglichkeiten befragt. Diese Aspekte wurden mit ihnen vor dem Hintergrund der Reform der Bundesagentur für Arbeit und der Veränderung ihrer geschäftspolitischen Prioritäten erörtert. In der zweiten Phase der Implementationsanalyse wurde auch der Frage nachgegangen, ob und inwieweit sich die Umsetzung der Instrumente durch Arbeitsgemeinschaften nach § 44b SGB II von der Umsetzung durch Arbeitsagenturen unterscheidet und worauf das zurückzuführen ist.

Die Implementationsanalyse erfolgte in zehn Agenturbezirken in zwei Erhebungswellen, um die Implementation der Instrumente auch im Zeitverlauf evaluieren zu können. Da nur die Auskunftspartner bei den Agenturen zweimal befragt wurden, beschränkte sich die Längsschnittanalyse des Untersuchungsdesigns auf diese.

Insgesamt wurden in den ausgewählten Agenturbezirken in der ersten Welle (2004/05) ca. 300 mit der Entgeltsicherung geförderte Beschäftigte telefonisch und ein Teil von ihnen in der 2. Phase in Gruppendiskussionen befragt. In den einzelnen Arbeitsagenturen wurden Leitfaden gestützte offene Interviews mit dem jeweils für die aktive Arbeitsförderung zuständigen Mitglied der Geschäftsführung, mit der Bereichsleitung Arbeitgeber, mit drei Arbeitsvermittler/innen sowie ggf. mit Mitarbeiter/innen geführt, die damit beauftragt sind, sich in besonderer Weise um die Integration älterer oder schwerbehinderter Arbeitsuchender in den "ersten Arbeitsmarkt" zu kümmern.

In der ersten Phase wurden 80 Betriebe zum Umgang mit Eingliederungszuschüssen telefonisch befragt (50 Nutzer, 30 "Nicht-Nutzer"). Außerdem wurden im Rahmen einer weiteren telefonischen Befragung von ca. 30 Arbeitgeber/innen bzw. deren Personalverantwortlichen erste Informationen und Erfahrungen zur Nutzung und Wirkung des "Beitragsbonus" erfragt. Hierbei muss wegen geringer Fallzahlen wahrscheinlich der regionale Zuschnitt der zehn ausgewählten Agenturbezirke verlassen werden.

In der zweiten Welle (2005/06) wurden noch einmal die oben genannten Gesprächspartner in den Agenturen befragt und nun zusätzlich auch die entsprechenden Personen in den ARGEn (max. eine ARGE pro Bezirk). Hinzu kamen insgesamt 20 Betriebe, die ebenfalls in Leitfaden gestützten offenen Interviews vertieft zum Umgang mit Eingliederungszuschüssen befragt wurden.

Kooperationspartner

Das IAT bearbeitet die Evaluierung der Eingliederungszuschüsse und der Entgeltsicherung in Zusammenarbeit mit dem IAB und dem ZEW.

Das IAB untersucht die Förder- und Beschäftigungsstrukturen der Nutzer dieser Instrumente. ZEW und IAB bearbeiten gemeinsam die Wiederbeschäftigungschancen förderungsberechtigter Personen, Stabilitäts- und Verbleibsanalysen nach Zugang in die Förderung und sowie eine Analyse der Effizienz der Förderinstrumente. Das ZEW hat die Gesamtkoordination des Verbundes übernommen.

Publikationen zum Projekt



Brussig, Martin / Bernhard, Sarah / Jaenichen, Ursula / Zwick, Thomas, 2006: Zielstellung, Förderstrukturen und Effekte der 'Entgeltsicherung': Erfahrungen mit einem Kombilohn für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In: Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 39, S. 491-504

Brussig, Martin / Knuth, Matthias / Schweer, Oliver, 2006: Arbeitsmarktpolitik für ältere Arbeitslose: Erfahrungen mit "Entgeltsicherung" und "Beitragsbonus". Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. IAT-Report, Nr. 2006-02
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Brussig, Martin / Schweer, Oliver, 2006: Neue arbeitsmarktpolitische Instrumente für Ältere: Lehren aus der Hartz-Evaluation. In: Institut Arbeit und Technik: Jahrbuch 2006. Gelsenkirchen, S. 41-53
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Knuth, Matthias / Brussig, Martin, 2005: "Hartz-Kommission": zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Reform-Vorschläge: Thesenpapier zur Fachtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Deutschen Vereinigung für Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung am 24./25.2.2005, Bonn. Manuskript. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik
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Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung / Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung / Institut Arbeit und Technik, 2005: Evaluation der Maßnahmen zur Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission ; Arbeitspaket I: Wirksamkeit der Instrumente ; Modul 1d: Eingliederungszuschüsse und Entgeltsicherung: Bericht 2005. Projektnummer 19/04. Mannheim, Nürnberg, Gelsenkirchen: ZEW, IAB, IAT
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Vorträge

Prof. Dr. Martin Brussig, Manuela Schwarzkopf: Eingliederungszuschüsse: Eine Implementationsstudie.
IAB-Colloquium / Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Nürnberg, 10.03.2011
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Prof. Dr. Martin Brussig: Zielstellung, Förderstrukturen und Effekte der "Entgeltsicherung". Erfahrungen mit einem Kombilohn für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (mit Sarah Heinemann, Ursula Jaenichen, Thomas Zwick)
Autorenworkshop der Zeitschrift für Arbeitsmarkforschung / Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Nürnberg, 26.04.2006

Prof. Dr. Martin Brussig: Die Entgeltsicherung für ältere Arbeitnehmer - der unbekannte Kombilohn (mit Ursula Jänichen)
Kombilohn: Weg zu mehr Beschäftigung und Brücke zum Arbeitsmarkt / Bundesagentur für Arbeit (Zentrale)
Lauf, Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit, 30.03.2006