Evaluation des Bundesprogramms "Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro"

Ziel und Aufgabenstellung

Mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde 2016 die Förderung von Modellvorhaben zur Stärkung der Rehabilitation in das SGB IX eingefügt (§ 11 SGB IX). Das Bundesprogramm rehapro fördert auf dieser Grundlage über eine Dauer von fünf Jahren Modellprojekte von Jobcentern und Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung. Zielsetzung ist, dass innovative Ideen und Vorschläge im Aufgabenbereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende und der gesetzlichen Rentenversicherung zur Unterstützung von Menschen mit komplexen gesundheitlichen und seelischen Unterstützungsbedarfen oder beginnenden Rehabilitationsbedarfen erprobt sowie die Zusammenarbeit der Akteure im Bereich der medizinischen und beruflichen Rehabilitation weiter verbessert werden. Die innovativen Maßnahmen, Ansätze, Methoden und Organisationsmodelle sollen insbesondere dazu beitragen, die Grundsätze „Prävention vor Rehabilitation“ und „Rehabilitation vor Rente“ zu stärken und die Erwerbsfähigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen sowie den Zugang in die Erwerbsminderungsrente und die Eingliederungshilfe bzw. Sozialhilfe nachhaltig zu senken.

Das BMAS hat einen Forschungsverbund unter Leitung des IAQ mit der Evaluation des Bundesprogramms beauftragt. Inhaltliche Schwerpunkte der Programmevaluation sind:

Vorgehen

Die Programmevaluation besteht aus mehreren Bausteinen:

Monitoring: Mit dem Monitoring wird erfasst, welche Personen in den Modellprojekten gefördert werden und welche konkreten Leistungen sie erhalten. Das Monitoring ist eine unerlässliche Datengrundlage für die Analyse der Umsetzung des Bundesprogramms rehapro und für die Wirkungsanalyse. Das Monitoring wird federführend vom ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik übernommen.

Typisierung: Auf Grundlage der Modellprojektbeschreibungen werden Gruppen von Modellprojekten gebildet. Dies erfolgt zum einen induktiv mittels einer Typisierung der Ansätze sowie einer Logik-Analyse aller Modellprojekte. Aus den Logik-Modellen werden Indikatoren abgeleitet, die im Monitoring, sowie in der Organisations- und Personenbefragung erfasst werden. Zum anderen erfolgt deduktiv eine Analyse und Zuordnung der Zielfelder aller Modellprojekte. Dadurch wird deutlich, welche Ziele besonders häufig und welche Ziele eventuell weniger häufig verfolgt werden. Durch die Typisierung können ähnliche Ansätze für spätere Schritte der Evaluation zusammengefasst werden. Vorgenommen wird die Typisierung durch das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), das Institut für empirische Soziologie (IfeS), das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und das IGES Institut.   

Organisationsbefragung: Mittels einer Organisationsbefragung werden eingesetzte Ressourcen, Aktivitäten und organisationsbezogene Ergebnisse der Modellprojekte, aber auch die Motivation für die Teilnahme am Modellprojekt sowie vorliegende Erfahrungen mit der Zielgruppe erhoben. Dies ergänzt die im Monitoring erhobenen Rahmendaten um wichtige Zusammenhänge aus der Perspektive der Modellprojekte. Die Informationen aus der Organisationsbefragung werden weiter für das Monitoring, die Fallstudienauswahl und die Wirkungsanalyse benötigt. Alle zwei Jahre wird eine ähnliche Befragung unter den Jobcentern durchgeführt, die sich nicht am Bundesprogramm beteiligen, um Unterschiede zwischen programmbeteiligten und nicht programmbeteiligten Jobcentern systemisch zu erfassen. Durchgeführt wird die Organisationsbefragung vom SOKO-Institut Sozialforschung und Kommunikation. Die Auswertung übernehmen das IfeS, IAQ und IAW.  

Wirkungsanalyse: Für die Wirkungsanalyse werden telefonische Befragungen von teilnehmenden und nicht-teilnehmenden Personen (Treatment- und Kontrollgruppe) durchgeführt. Die dabei erhobenen Daten sollen die Förderziele auf der individuellen Ebene abbilden und zugleich wichtige persönliche Voraussetzungen und Problemlagen erfassen. Mit der Wirkungsanalyse sollen quantifizierende Einschätzungen zur Wirksamkeit des Programms hinsichtlich unterschiedlicher Zieldimensionen erarbeitet werden. Die Evaluation wird getrennt für die verschiedenen Treatments durchgeführt, die im Ergebnis der Typisierung identifiziert wurden und für die ausreichende Fallzahlen vorliegen. Zuständig für die Durchführung der Wirkungsanalyse ist das SOKO-Institut und das IAW.

Analyse von Prozessdaten: Zur exakten Abbildung von Beschäftigung, der Verläufe in Rehabilitationsmaßnahmen oder anderen Maßnahmen und gegebenenfalls des Rentenübergangs werden – unter Einhaltung der hohen Datenschutzanforderungen – Analysen der Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung vorgenommen. Für die Analyse der Prozessdaten zuständig ist das IAW.

Fallstudien: Die Umsetzung der Modellprojekte wird – über alle Förderaufrufe hinweg – in ca. 50 Fallstudien im Detail untersucht. Ziel ist es, Erfolgsfaktoren, aber auch Hemmnisse für die Verstetigung und Verallgemeinerung von wirkungsvollen Ansätzen zu identifizieren. Vorgesehen sind leitfadengestützte Interviews und Analysen von projektbezogenen Dokumenten. Außerdem können ergänzend Gruppendiskussionen und Hospitationen sinnvoll sein. Die Fallstudien werden vom IAQ, IfeS, sowie IGES durchgeführt.

Weitere Bausteine: In weiteren Bausteinen – Gesamtanalyse und Vernetzung – werden die Teilergebnisse der Programmevaluation zusammengeführt und der Auftraggeberin sowie dem Beirat vorgestellt.